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Friedhöfe und Bestattungswesen in Höngg

Dienstag, 9. Oktober 2018

Beerdigt wird in Höngg schon seit Urzeiten, wovon die Grabhügel im Heizenholz zeugen. Der älteste gesicherte Friedhof lag jedoch zwischen der Reformierten Kirche und dem Schulhaus Wettingertobel, wie die Ortsgeschichte Höngg zu berichten weiss.
Bereits 870 wurde dieser, laut der Stadt Zürich, erstmals urkundlich erwähnt und diente seit dem 15. Jahrhundert als Begräbnisstätte. Wie er in der Zeit davor genutzt wurde, wird in keiner Quelle explizit erwähnt. Jedenfalls variierte er im 15. Jahrhundert noch in Grösse und Lage, aufgrund des stufenweisen Ausbaus der nebenanstehenden Kirche. Wie es an vielen Orten üblich war, wurden auch in Höngg Knochen, die in alten Gräbern gefunden wurden, in einem sogenannten Beinhaus gesammelt, welches jedoch spätestens 1642 aufgehoben wurde. 1703 fiel ein wesentlicher Teil des alten Friedhofs der Kirchenvergrösserung zum Opfer und das stetige Wachstum der Bevölkerung, gepaart mit verlängerten Ruhezeiten der Gräber, verstärkte den Platzmangel. Teil des Problems: Das Land rund um den Friedhof gehörte dem Kloster Wettingen, welches sich gegen eine Landabtretung wehrte. Ein jahrelanger Rechtsstreit begann, wobei schliesslich die Auflösung des Klosters und 1845 der Erwerb der Wettinger Güter durch die Gemeinde Höngg die schwierige Lage bereinigten.

Eine Mauer für den Friedhof

Nachdem das Platzproblem vorerst nicht mehr im Vordergrund stand, wurde ein neues Projekt in Angriff genommen. Der Architekt August Stadler baute die Schwergewichtsmauer, die den Friedhof damals begrenzte und heute mittendrin steht, 1846 erfolgte feierlich die Einweihung. Nach dieser Erfolgsgeschichte wurden einige Umstrukturierungen vorgenommen. Das Amt des Totengräbers wurde besetzt und nicht mehr, wie bisher, vom Sigrist ausgeführt, und für die einheitliche Bepflanzung der Gräber war ab 1867 ein Friedhofsgärtner zuständig. 1857 erschien erstmals etwas über die Funktion der Leichenbitterin in den Aufzeichnungen, doch muss gemäss der Ortsgeschichte Höngg dieses Amt schon viel älter sein als etwa jenes des Friedhofgärtners. Die Aufgabe einer Leichenbitterin war es, den Dorfbewohnern mündlich die Todesnachricht zu überbringen und zur Bestattung einzuladen. Ab 1905 ersetzten Todesanzeigen in schriftlicher Form diese Funktion in Höngg, Oberengstringen behielt sie bis mindestens 1925 bei.

Leichenwagen und Begräbnisrituale

Mit neuen Ämtern waren die Erneuerungen jedoch noch nicht abgeschlossen. 1873 spendete eine Leichenbitterin der Kirche 500 Franken, um einen Leichenwagen anzuschaffen. Zusätzlich wurde 1902 ein Leichenhaus gebaut, welches heute noch unterhalb der Kirchhofmauer steht, jedoch für andere Zwecke genutzt wird. Momentan dient es als Dienstgebäude für Grün Stadt Zürich. Auch die Begräbnisrituale haben im Lauf der Jahre einen Wandel erlebt. Um 1850 wurden die Leichen vor der Beerdigung öffentlich durch die Kirche getragen und während der Abdankung neben den Taufstein gelegt. Auch war es üblich, im Haus der Angehörigen zu kondolieren und jedem einzeln die Hand zu reichen, das sogenannte «Leidergetze». Ende 1902 wurde aber auch mit diesem Brauch gebrochen und den Trauernden schloss sich seither, sobald diese das Haus verliessen, ohne weiteres ein Trauerzug an. Die Männer den Männern, die Frauen den Frauen.

Die Ablösung folgt mit der Eingemeindung

Im Zusammenhang mit der Eingemeindung von Höngg 1934, wurde der Friedhof ein weiteres Mal vergrössert und 1948 schliesslich vom neu gebauten Friedhof Hönggerberg ganz abgelöst. Danach wurden die Grabfelder mit der Zeit in beiden Teilen des Friedhofs aufgehoben, und ab 1973 war der Friedhof stillgelegt. Geblieben sind nur einige Familiengräber, die heute noch davon zeugen, dass dieser Ort über eine lange Zeit vielen Menschen als letzte Ruhestätte diente. Ausserdem ist der historische Ort heute ein idealer Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick über die Stadt und auf die Berge, der genauso als ruhige Parkanlage geschätzt wird. Der 1948 neu gebaute Friedhof liegt auf dem Hönggerberg am Waldrand und erinnert ebenfalls stark an eine Parkanlage, in der man Ruhe und Geborgenheit findet. Siehe dazu den Beitrag «In Stille – Tag des Friedhofs».