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Jugendreise nach Göncruszka, 27. April bis 5. Mai

Sonntag, 6. Mai 2018
«Schreibt auf die Vorderseite dieses kleinen Papiers in Stichworten auf, wer ihr seid. Und auf die Rückseite notiert ihr, wer Gott ist. Das sind ganz wichtige Fragen für alle Menschen». Diesen Arbeitsauftrag gibt Pfarrerin Zsuzana Sohaja den SchülerInnen der 6. Klasse in Göncruszka, aber auch den 13 Jugendlichen aus Zürich im Religionsunterricht der Schule «Talentum». Gemeinsam suchen junge Menschen aus Ungarn und der Schweiz nach Worten, welche die eigene Identität und Gott beschreiben – auf Deutsch, Ungarisch und Englisch. Wir erfahren, dass hier im reformierten Religionsunterricht das Glaubensbekenntnis auswendig gelernt wird und auch bei jeder Taufe gemeinsam von der Gemeinde gesprochen wird.
 
In der nächsten Stunde wird sogar gemeinsam getanzt, denn Volkstanz ist in Göncsruszka Pflichtfach. Und dann werden die Zürcher Jugendlichen sogar zur Lehrperson und bringen den SchülerInnen der 3. Klasse spielerisch einige deutsche Wörter und Zahlen bei, damit sie für die bevorstehende Reise nach Vaduz gerüstet sind. Auf Deutsch und Englisch schwärmen sie am Nachmittag den ungarischen SechstklässlerInnen von Zürich vor, der Limmat und dem See, und wecken so Vorfreude für den Gegenbesuch Ende September 18.
 
Diese dritte Jugendreise für Oberstufenschüler unter Leitung von Pfrn. Elke Rüegger-Haller und Pfr. Martin Günthardt findet im Rahmen der Gemeindepartnerschaft zwischen Wipkingen und Göncruszka statt, die durch die Osteuropaarbeit des Heks entstanden ist. Das Pfarrehepaar Zsuzana und Levente Sohaja engagieren sich seit über zehn Jahren in diesem kleinen Dorf in Nordostungarn, 20 km von der slowakischen Grenze entfernt.
 
Die reformierte Kirchgemeinde betreibt dort nicht nur die Primarschule «Talentum» mit Kindergarten, sondern auch eine eigene Imkerei, die einen vorzüglichen Honig herstellt. Dieser wird von befreundeten Kirchgemeinden in Holland, Deutschland und natürlich auch in der Schweiz vertrieben, und der Erlös hilft, die sozialdiakonischen Aufgaben mitzufinanzieren. Nebst der Schule sind das auch engagierte Altersarbeit und Integrationsprojekte für Kinder und jugendliche Roma, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben.
 
Neben den Begegnungen in Schule und Kirchgemeinde bleibt unserer Reisegruppe auch viel gemeinsame Zeit für gute Gespräche, Spiele und Ausflüge. Wir wohnen im komfortablen Gästehaus der politischen Gemeinde Gönscruszka und geniessen die bereits sommerlichen Temperaturen.
 
Am Freitagmorgen fahren wir früh nach Budapest, der Donaumetropole mit ihrem imposanten Parlament und der berühmten Kettenbrücke, und lernen so das urbane moderne Ungarn kennen. Nach einem gemeinsamen Nachtessen bringt uns der Eurocity Budapest-Wien-Zürich am Samstagmorgen um viele Eindrücke bereichert zurück in die Schweiz.
 
«Unsere Beziehung zu Gott ist wie dieses kleine Blatt Papier», erläutert Pfarrerin Zsuzana zum Abschluss der Religionsstunde. «Gott und ich – wir sind ganz verschieden, aber wir gehören untrennbar zusammen. Es sind zwei Seiten, aber nur ein Papier. Im Glauben erfahren wir eine gemeinsame Beziehung.»
Pfr. Martin Günthardt