Zurück

Höngger Flohmarkt 2017 - der Bericht

Samstag, 19. August 2017

Bilder vom Flohmarkt-Samstag 26. August. (Danke, Wolfgang Beule!).

Kurz nach der Eröffnung des Flohmarktes im und um das reformierte Kirchgemeindehaus ist der Saal bereits voller enthusiastischer Frühaufsteher, denn wie bekannt ist, fängt der frühe Vogel den Wurm. Der Wurm ist in diesem Falle ein besonders schönes Stück oder eine Rarität. So kann man Familienväter beobachten, die sich mit ernsthafter Miene zusammen mit den Kindern durch Spielzeugkisten wühlen, ein junges Pärchen unterhält sich mit der Standchefin über die unvergängliche Schönheit von Porzellan, neben den Fotokameras wird über das beste Objektiv gefachsimpelt und bei den Handtaschen stehen Frauen und stellen die Ellenbogen raus. Immer wieder hört man Sätze wie «aber eigentlich haben wir doch gerade erst ein Waffeleisen entsorgt». Es scheint, als hätten solche Argumente hier einen schwachen Stand. Es gibt aber auch so viel Schönes: Allein ein Besuch der «Raritäten» im ersten Stock ringt jegliche Budget-Vorsätze nieder. Nur wer seinen Geldbeutel präventiv zuhause gelassen hat, kann der Anziehung dieser kostbaren Gegenstände widerstehen: Ein kleines, altes Holzbänkchen, Silberbesteck in allen Stilen, eine Underwood Schreibmaschine. In einer Kiste in der Ecke liegt ein Set herrlichstes Geschirr aus einem anderen Jahrhundert, dessen Anblick genügt, um im Geiste bereits Einladungen zu einer feudalen Tavolata zu verschicken, die man damit ausrichten würde.

Eine Drohne und ein Teleskop
Alle drei Jahre «leeren die Höngger die Estriche», wie Martin Wyss in der Elektro-Abteilung es nennt. Er ist schon seit 1970 beim Flohmi dabei und hat den Eindruck, es werde jedes Mal mehr Material. In den vergangenen Jahren war Pfarrer Matthias Reuter für diese Abteilung zuständig. «Hier kann man die technologische Entwicklung hautnah miterleben: Es gibt vom Heizkissen mit Prozellanstecker über das Denon Hi-Fi Kassettengerät bis zur Drohne – eine Premiere! – alles zu kaufen», erzählt er. Dieses Jahr stellt er gemeinsam mit Patricia Lieber, der Sozialdiakonin der katholischen Pfarrei Heilig Geist, zum ersten Mal das OK. Nach einer unruhigen Nacht – es geht einem am Vorabend der Veranstaltung doch noch so einiges durch den Kopf – und einer strengen Sammelwoche stehen nochmals zwei lange Tage für ihn und alle Beteiligten an. Über 140 Helferinnen und Helfer und 20 Angestellte von beiden Kirchen haben vor allem in der letzten Woche aufgebaut, eingerichtet, stehen nun hinter den Ständen und machen es möglich, dass sich die Gäste nach der Schnäppchenjagd mit Wurst, Salat und gespendetem Kuchen stärken können.

Glückliche Gesichter auf allen Seiten
Auf dem Vorplatz des Gebäudes steht ein ganz besonderes Ding: Ein Teleskop, mit dem man Sterne beobachten kann. Ausnahmsweise wird dieses versteigert, weil man den Wert nicht richtig einschätzen kann. Auch Pfarrer Reuter lässt es sich nicht nehmen, etwas zu «chrömlen», wie er es nennt. «Aber nur Nützliches», sagt er, wie zum Beispiel den Rasensprenger, weil der alte gerade kaputtgegangen war. Es seien zwar anstrengende Tage, meint Reuter, aber er geniesse die Begegnungen mit den Menschen in einem ausserkirchlichen Kontext. Was ihn zusätzlich motiviere, sei natürlich auch die Aussicht, einen ansehnlichen Betrag zu sammeln, denn schliesslich ist dies ein ökumenischer Benefi zanlass und das Geld kommt vier sozialen Einrichtungen zugute. Es sind dies «Die Sozialfirma» in Uster, «Spielzeit Psychotherapie» in Zürich, die Dorfschule «Talentum» der reformierten Kirchgemeinde in Göncruszka/Ungarn, und «Agape Roumanie» in Rumänien.

Bis zum Schluss wurden brutto 41 000 Franken eingenommen, ein erfreulich hoher Betrag. Vielleicht ist es das Wissen, dass das Geld hier gut investiert wurde, wahrscheinlicher ist, dass Shoppen viele Menschen einfach glücklich macht, in jedem Fall sieht man in viele verzückte Gesichter, wenn die Gäste mit ihren alten, neuen Errungenschaften aus dem Saal kommen. Und wer sich schweren Herzens gegen den Kauf dieser einen Kupferpfanne entschied, mit der sich doch so gut fl ambieren liesse, was man jährlich doch mindestens ein halbes Mal macht, kriegt in drei Jahren wieder die Gelegenheit in «Hönggers Estrichen» zu wühlen.