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Was ist Kontemplation?

Manchmal werde ich gefragt: «Was ist Kontemplation?» Kontemplation kommt aus dem Lateinischen «contemplare», das bedeutet etwas beschauen, von allen Seiten versuchen dieses Etwas zu erfassen. Wie ist es? Was ist es? Wozu ist es? Doch bei der Kontemplation ist dieses gegenwärtige Etwas unsichtbar und unfassbar, es entzieht sich, es lässt sich mit dem Blick nicht einfangen und festhalten. Es lässt sich auch nicht durch geformte Worte vernehmen. Es ist ein inneres, geheimnisvolles Gewahrsein von dem, was da ist. Denn es ist da!

Im lateinischen Wort «contemplare» stecken wiederum zwei Wörter, nämlich «con», das heisst «mit», und «templum», das heisst «Tempel». Also heisst Kontemplation auch «zusammen im Tempel sein». Wenn wir von dem ausgehen, was der Apostel Paulus sagt, nämlich, dass wir Menschen der Tempel des lebendigen Gottes sind, heisst Kontemplation: Innewerden, dass es in uns einen heiligen Raum gibt, einen Raum, in dem Gott wohnt. Die Kontemplation führt hinein in diesen innersten Raum und lässt uns darin eine Zeitlang still verweilen und zur Ruhe kommen.

Wenn wir nun beide Bedeutungen von Kontemplation zusammenfügen, so heisst Kontemplation schauend und lauschend in diesem heiligen Tempel sein, ohne die Absicht etwas Bestimmtes zu sehen oder zu hören, sondern in der Stille wahrnehmend, was da in uns anwesend ist. Es ist etwas Heiliges, das uns reinigt und klärt und langsam hin zum Ebenbild Gottes und zu mehr Mitmenschlichkeit verwandelt.

Im kontemplativen Gebet öffnen wir uns schweigend dieser Erfahrung der Gnade und des Friedens von Gott.

Marika Kober (ehemalige Pfarrerin in Höngg)
 
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